Sexuelle Fantasie

Der Raum, in dem alles erlaubt ist.

Eine sexuelle Fantasie ist eine innere Vorstellung, die erotisch erregt. Manchmal ist sie eine ausgeschmückte Szene mit Ort, Personen und Handlung. Viel häufiger ist sie nur ein Fragment: ein Blick, ein Satz, eine Hand im Nacken, ein Gefühl von Macht oder Hingabe. Fantasien tauchen beim Sex auf, bei der Selbstbefriedigung, im Tagtraum oder ganz unvermittelt mitten im Alltag.

Was sie alle verbindet: Sie spielen sich ausschließlich im Kopf ab. Und dort, wo niemand zuschaut, gelten andere Regeln als im echten Leben.

Was eine sexuelle Fantasie ausmacht

Fantasien folgen nicht der Logik des Verstandes, sondern eher der Logik des Nervensystems. Sie müssen nicht vernünftig sein, nicht realistisch und nicht einmal zur eigenen Person passen.

Fast alle Menschen kommen in ihren eigenen Fantasien vor, aber oft nicht so, wie sie im Alltag sind. Viele verändern sich dort: einen anderen Körper, ein anderes Alter, eine andere Haltung. Der Mann, der im Job ständig Verantwortung trägt, wird in seiner Fantasie vielleicht geführt. Die Frau, die im Alltag zurückhaltend ist, übernimmt dort die Kontrolle.

Manche Fantasien haben nicht einmal ein Bild. Sie sind eher eine Stimmung, eine Temperatur, ein Ziehen im Bauch, das sich immer dann meldet, wenn ein bestimmtes Thema auftaucht. Gerade deshalb lassen sich viele Fantasien so schwer in Worte fassen.

Wie verbreitet sind sexuelle Fantasien?

Sehr. In einer großen Befragung des US-amerikanischen Sozialpsychologen Justin Lehmiller mit über 4.000 Teilnehmenden gaben rund 97 Prozent an, sexuelle Fantasien zu haben. Rund 90 Prozent hatten schon einmal über ihre aktuelle Partnerin oder ihren aktuellen Partner fantasiert, die Hälfte sogar oft. Fantasien nehmen einer Beziehung also nicht zwangsläufig etwas weg. Häufig dichten sie etwas hinzu.

Eine kanadische Studie um den Psychologen Christian Joyal (2015) mit rund 1.500 Erwachsenen wollte wissen, welche Fantasien tatsächlich ungewöhnlich sind. Das Ergebnis: Von 55 abgefragten Fantasien waren nur zwei wirklich selten, und zwar solche, die anderen schaden würden. Fantasien von Unterwerfung oder Dominanz kannten je nach Ausprägung zwischen 30 und 60 Prozent der Befragten, Männer wie Frauen gleichermaßen.

Vieles, was Menschen für ihr dunkelstes Geheimnis halten, teilt also ein großer Teil der anderen.

Die häufigsten Themen

Lehmiller hat die Fantasien seiner Befragten zu sieben großen Themen gebündelt:

  1. Sex mit mehreren Menschen
    Dreier, Gruppen, Orgien. Eines der häufigsten Themen überhaupt.
  2. Macht, Kontrolle und Hingabe
    Dominanz und Unterwerfung, Fesseln, Strafen, Gehorsam. Hier liegt auch die Nähe zur erotischen Hypnose: die Lust, Kontrolle abzugeben oder zu übernehmen.
  3. Neues und Abenteuer
    Ungewohnte Orte, neue Praktiken, das Unbekannte.
  4. Tabus
    Alles, was man „eigentlich nicht darf“. Der Reiz des Verbotenen wirkt in der Fantasie besonders stark.
  5. Offene Beziehungen
    Partnertausch, Swingen, Polyamorie oder die Vorstellung, die Partnerin mit einem anderen zu sehen.
  6. Leidenschaft und Romantik
    Begehrt werden, geliebt werden, gesehen werden. Ein Thema, das oft unterschätzt wird, gerade bei Männern.
  7. Rollen und Geschlecht
    Das Spiel mit Rollen, Identität und Orientierung, etwa die Vorstellung, für eine Weile in eine ganz andere Haut zu schlüpfen.

Fantasie ist nicht gleich Wunsch

Der vielleicht wichtigste Gedanke zu diesem Thema: Eine Fantasie ist kein Auftrag.

Manche Fantasien enthalten einen echten Wunsch, etwas, das man gern einmal ausprobieren würde. In Lehmillers Befragung wollten gut drei Viertel ihre Lieblingsfantasie irgendwann ausleben, aber nur etwa jeder Fünfte hatte es tatsächlich getan.

Andere Fantasien funktionieren gerade deshalb, weil sie Fantasie bleiben. In Joyals Studie sagte etwa die Hälfte der Frauen mit Dominanzfantasien, dass sie so etwas in der Realität niemals erleben möchten. Der Reiz entsteht aus der Sicherheit des eigenen Kopfes: Dort wird niemand verletzt, nichts geht schief, und man kann jederzeit anhalten, umschreiben, neu beginnen.

Selbst wer sich vorstellt, vollständig ausgeliefert zu sein, führt in Wahrheit Regie. Eine Fantasie ist deshalb auch kein Urteil über den eigenen Charakter.

Woher kommen sexuelle Fantasien?

Eine einzige Ursache gibt es nicht. Meist laufen mehrere Fäden zusammen:

Prägung und Erfahrung
Bilder, Situationen und Gefühle, die irgendwann besonders intensiv waren, oft lange bevor Erotik eine Rolle spielte.

Verknüpfung
Das Unbewusste merkt sich, was gemeinsam mit Erregung aufgetreten ist, und ruft es immer wieder auf. Fantasien entstehen so ganz ähnlich wie Trigger durch Konditionierung.

Bedürfnisse
Fantasien drücken oft aus, was im Alltag zu kurz kommt: Entlastung, Abenteuer, Nähe, Bestätigung, Kontrolle.

Persönlichkeit
Wer sich leicht in Geschichten, Musik oder innere Bilder vertieft, erlebt meist auch lebendigere Fantasien.

Fantasien verändern sich übrigens im Laufe des Lebens. Neue kommen dazu, alte verblassen, manche bleiben erstaunlich stabil.

Fantasien teilen oder für sich behalten?

Rund die Hälfte von Lehmillers Befragten hatte ihre Lieblingsfantasie schon einmal mit einem Partner geteilt, und gut 70 Prozent davon erlebten eine positive Reaktion. Wer nie darüber gesprochen hatte, rechnete dagegen meist mit Ablehnung und berichtete häufiger von Scham und Schuldgefühlen.

Teilen kann also verbinden. Es ist aber keine Pflicht. Eine Fantasie für sich zu behalten, ist kein Geheimnis im schlechten Sinn, sondern Privatsphäre. Niemand hat Anspruch auf einen vollständigen Einblick in einen anderen Kopf.

Wann Fantasien belasten können

Scham über die eigenen Fantasien ist weit verbreitet und meist unbegründet. Fantasien schaden niemandem. Anders ist es, wenn eine Fantasie dauerhaft Druck, Angst oder das Gefühl auslöst, mit einem selbst stimme etwas nicht. Oder wenn der Wunsch entsteht, etwas umzusetzen, das andere ohne ihr Einverständnis betreffen würde. Dann ist ein Gespräch mit einer sexualtherapeutisch erfahrenen Fachperson der richtige Schritt, nicht eine Hypnose.

Sexuelle Fantasien in der erotischen Hypnose

Für viele ist eine erotische Hypnose der erste Ort, an dem eine ungesagte Fantasie Raum bekommt. Man muss nichts aussprechen, nichts erklären, niemand schaut zu.

In der Trance wird der innere Kommentator leiser, und Bilder, die im Alltag sofort weggeschoben würden, dürfen auftauchen. Gute Hypnosen geben dabei nicht jedes Detail vor. Sie arbeiten mit offenen Suggestionen, die bewusst Lücken lassen: „Jemand steht hinter dir, und du musst nicht wissen, wer es ist.” Das Unbewusste füllt diese Lücken mit genau den Bildern, die zum Hörer passen. Die Stimme liefert den Rahmen, die Fantasie liefert den Inhalt.

In der Paarhypnose bekommen Fantasien eine weitere Rolle: Im Vorgespräch, etwa über einen erotischen Wunschzettel, lassen sie sich sanft aussprechen, ohne sie laut sagen zu müssen.

Eine Hypnose verwandelt keine Fantasie in eine Entscheidung. Aber sie kann ein Ort sein, an dem etwas Ungesagtes zum ersten Mal Gestalt annimmt.

Verwandte Begriffe

Die eigene Fantasie erleben

Die schönste Art, die eigene Fantasie kennenzulernen, ist, ihr Raum zu geben. Unsere Hypnosen lassen bewusst Platz für deine eigenen Bilder.

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