Bin ich hypnotisierbar?

Zwei Silhouetten in hypnotischem Wellenmuster-Environment

Hypnotisierbarkeit ist keine Frage des Willens. Keine Frage der Intelligenz. Und auch keine Frage davon, wie offen oder spirituell oder entspannt jemand ist. Sie ist eine Eigenschaft — ähnlich wie Musikalität oder räumliches Vorstellungsvermögen. Manche haben mehr davon, manche weniger. Und die allermeisten liegen irgendwo in der Mitte — ohne es zu wissen. Das Problem: Fast niemand weiß das. Stattdessen kursiert ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Und der verhindert, dass Menschen überhaupt erst ausprobieren, was möglich wäre.

 

Die Glockenkurve der Suggestibilität

Suggestibilität — also die Empfänglichkeit für Hypnose — ist kein Schalter. Kein Ja oder Nein. Sie ist ein Spektrum. Und dieses Spektrum verteilt sich in der Bevölkerung wie viele andere Eigenschaften auch: als Glockenkurve.

Ganz links: eine kleine Gruppe — etwa zehn bis fünfzehn Prozent — bei denen Hypnose kaum anschlägt, egal wie gut die Bedingungen sind. Ganz rechts: eine ähnlich große Gruppe, die extrem empfänglich ist und schon nach wenigen Worten tief in Trance geht. Und in der Mitte: die große Mehrheit. Menschen die hypnotisierbar sind — aber nicht sofort, nicht ohne weiteres, nicht unter jedem Umstand.

Die meisten Menschen, die sagen “ich bin nicht hypnotisierbar”, sitzen in der Mitte dieser Kurve. Sie sind es — sie haben es nur noch nicht unter den richtigen Bedingungen erlebt.

 

Stabil, aber trainierbar

Hier ist eine Nuance, die wichtig ist: Hypnotisierbarkeit ist als Persönlichkeitsmerkmal erstaunlich stabil. Studien zeigen, dass die gemessenen Werte über Jahrzehnte weitgehend konstant bleiben. In dem Sinne bringt man etwas mit, das bleibt. Aber das bedeutet nicht, dass das Erleben in Hypnose unveränderlich ist. Was trainierbar ist, ist die Fähigkeit, dieses Potenzial abzurufen. Das Gehirn lernt, schneller loszulassen, tiefer zu gehen, dem Zustand zu vertrauen. Forschung zeigt, dass bis zu 80 Prozent der Menschen, die zunächst als wenig empfänglich gelten, nach gezieltem Training deutlich tiefere Trancezustände erreichen — stabil, auch Jahre später. Das erste Mal ist fast nie das intensivste. Das ist keine Ausrede. Das ist, wie Lernen funktioniert.

 

Der Kopfmensch-Mythos

Ich denke zu viel. Ich analysiere alles. Mein Verstand lässt das nicht zu.”

Das ist vielleicht der hartnäckigste Irrtum rund um Hypnose. Denn was analytische, intelligente Menschen mit einem aktiven Innenleben oft besonders gut können, ist genau das, was Hypnose braucht: Vorstellungskraft. Die Fähigkeit, innere Bilder zu erzeugen, in Gedanken an einem anderen Ort zu sein, sich etwas wirklich vorzustellen.

Hochhypnotisierbare Menschen zeichnen sich in der Forschung oft durch eine lebhafte Vorstellungskraft und eine hohe Absorptionsfähigkeit aus — also die Fähigkeit, sich vollständig in etwas zu versenken. Wer sich leicht in Bücher, Musik oder Gespräche verliert, bringt dafür oft eine sehr gute Grundlage mit.

 

Warum es trotzdem manchmal nicht funktioniert

Wenn erotische Hypnose nicht gewirkt hat, liegt das fast nie daran, dass jemand grundsätzlich nicht hypnotisierbar ist. Meistens war etwas anderes im Weg.

Falsche Erwartungen zum Beispiel. Viele erwarten einen dramatischen Bewusstseinsverlust — und weil der nicht kommt, denken sie, es hat nicht funktioniert. Dabei ist Trance kein Ausschalten. Es ist ein Zustand tiefer Entspannung mit sehr wacher Aufmerksamkeit für das, was gesagt wird. Wer das erlebt hat, hat Trance erlebt — auch wenn es sich nicht spektakulär angefühlt hat.

Oder: die falsche Stimme. Rapport — das Vertrauen, die Resonanz zwischen zwei Menschen — ist die Grundvoraussetzung für Hypnose. Ohne Rapport öffnet sich das Gehirn nicht, egal wie gut die Technik ist. Wenn sich irgendetwas falsch anfühlt, entscheidet das Nervensystem das schnell und automatisch. Das sagt nichts über die Hypnotisierbarkeit aus. Es sagt etwas über die Passung.

 

Wann Hypnose nicht geeignet ist

Es gibt Menschen, für die Hypnose — zumindest in bestimmten Momenten — nicht geeignet ist. Nicht weil sie nicht hypnotisierbar wären, sondern weil der Zustand für sie gerade nicht sicher ist.
Menschen mit Psychosen oder Zuständen, bei denen die Wahrnehmung der Realität bereits verändert ist, sollten keine Hypnose machen. Auch nicht in akuten Krisen, direkt nach schweren Traumata oder wenn gerade schlicht zu viel ist. Im Zweifel: vorher mit einem Therapeuten sprechen.

Mehr über Kontraindikationen erfahren.

 

In Folge 04 des OHRgasmus Podcasts erfährst du noch ein wenig mehr.

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